Bereits seit 1928 fährt ein Postauto von Solothurn nach Balm bei Günsberg, ursprünglich noch über Rüttenen (das heute mit der BSU-Linie 4 angeschlossen ist). Heute bedienen drei moderne Irisbus Crossways der seit bald 90 jahren hier tätigen Familienunternehmung Flury die Linie im Stunden- bzw. zeitweise sogar Halbstundentakt – es sind nebst den BSU- und RBS-Bussen heute die einzigen Postautos am Platz. An einem kalten Herbstabend wartet einer der drei Wagen vor dem SBB-Bahnhofsgebäude auf rückkehrende Pendler.

Die Altstadt von Solothurn ist heute verkehrsberuhigt, und die Postautos der Linie 12 (offizielle Nummer des BAV ist 41.012) fahren im Rundkurs um die Stadt – auf Bergfahrt direkt über die Rötibrücke zum Baseltor, auf Talfahrt über den Busknoten am Amtshausplatz und die hier abgebildete Wengibrücke, welche fast ausschliesslich dem öffentlichen Verkehr und dem Langsamverkehr vorbehalten ist.

Nach dem Baseltor führt die Buslinie über mehrere Haltestellen der Bahnlinie Solothurn – Oensingen der Aare Seeland mobil (ASm) entlang. Jene wendet in Solothurn auf den Knoten xx.15/xx.45 mit Anschluss von/nach Bern, während die Postautos um xx.00 oder xx.30 in Solothurn sind und so den Anschluss vom und zum Fernverkehr in Richtung Zürich herstellen – eine ideale Ergänzung also. Im Bild passiert ein Crossway auf seiner Fahrt stadteinwärts gerade die behindertengerecht erneuerte Bahnhaltestelle Sternen, auf der anderen Strassenseite ist das Frauenkloster Namen Jesu aus dem 17. Jahrhundert zu erkennen.

Nach der Fahrt durch St-Niklaus-Feldrunnen und Riedholz biegen die Postautos beim hinteren Riedholz von der Bahnlinie ab und nehmen die Bergfahrt in den durch die Siggern und ihre Nebenflüsse ausgewaschenen Talkessel von Günsberg in Angriff. Der Bus hat gerade Niederwil verlassen und fährt nun weiter nach Hubersdorf. Im Hintergrund sind bereits die untersten Häuser des grösseren Günsberg zu erkennen…

…wo auf dem Dorfplatz kürzlich eine moderne Wendeschlaufe für die Postautos erstellt wurde. Die 1200-Einwohner-Gemeinde ist für die Postautos allerdings nicht Endstation (die Wendeschlaufe dient nur dazu, die Stichfahrt in den Dorfkern zu ermöglichen).

Die Fahrt geht weiter ins weitaus kleinere Balm bei Günsberg. Die 200-Seelen-Gemeinde ist für die Postauto-Linie als Sitz der PU-Familie und somit Garagenort von einer grossen Bedeutung und wird entsprechend von der Mehrheit der Kurse angefahren – lediglich die zum Balmberg fahrenden Busse lassen den Ort auf der Bergfahrt aus. Auf der Talfahrt vom Balmberg wird das Dorf hingegen angebunden – dieser Iveco erreicht in Kürze den Ortseingang und die PU-Garage.

Die Linienverlängerung zum Balmberg wurde 1946 eingeführt – auf einer schmalen Bergstrasse, welche 1938-1942 als Arbeitsbeschaffungsmassnahme erbaut wurde. Mit den 12 Meter langen und 2.50 Meter breiten Fahrzeugen ist das Maximum der Strecke ausgereizt – die modernen Busse bewältigen die Bergfahrt heute mehrmals täglich während dem ganzen Jahr. Über einem herbstlichen Nebelmeer zeigt das Bild einen der 2014 ausrangierten Neoplan-Euroliner auf Talfahrt beim mittleren Balmberg.

Im Winter sind es vor allem Skifahrer, aber auch Schneeschuhläufer, welche den Balmberg als Ausflugsziel auswählen. Im Sommer werden nebst den Wanderern auch andere Kundengruppen angelockt – beispielsweise mit einem Seilpark. Ebenfalls für Fahrgäste sorgt das alt-ehrwürdige Kurhaus, welches mehrere Jahre leer stand und heute als Asylzentrum genutzt wird; es liegt direkt neben der PostAuto-Wendeschlaufe, wo diese etwas ältere Aufnahme entstand.